Montag, 24. Januar 2011

Elegie auf einen Mops

Das mahnend schöne Bild, das ich mit ihm verloren,
so weit mein Auge reicht, ersetzt kein andres nicht.
Belehrender war nie ein Sonderling geboren,
und keiner trug, bei kürzern Ohren,
ein philosophischer Gesicht.

Zwar sah ich manche Stirn von Königsberg bis Leiden
mit diesem mystischen gelehrten Überzug:
Doch sah ich keine je, die Runzeln so bescheiden,
von allen Wesen zu beneiden,
als meines Mopses Stirne trug.

Er warf den hohen Ernst der kritischen Gebärde
nie auf ein Mitgeschöpf, nie außer sich herum.
Der Schnarcher suchte nie, so weit ihn Gottes Erde
auch trug, dass er bewundert werde,
ein größres Auditorium.

Nur still erbaut' er mich. Von seinem gelben Felle
blickt' ich gestärkter auf in die beblümte Flur:
Mein krankes Auge stieg von seiner Lagerstelle
gemach vom Dunkeln in das Helle
bis zu dem Lichtquell der Natur.

Wenn er sich schüttelte, las ich in seinen Blicken
den herrlichen Beweis vortrefflich kommentiert,
den einst, vom Übergang des Schmerzes zum Entzücken,
aus gleicher Notdurft sich zu jücken,
der weise Sokrates geführt.

Kein unbequemer Freund, kein Trunkenbold, kein Fresser,
in richtiger Mensur, nicht stolz, nicht zu gemein,
schlief er sein Leben durch, und wahrlich, desto besser!
er schläferte, wie ein Professer,
auch seinen klügern Nachbar ein.

Wie hast du, guter Mops, nicht meiner Stirne Falten,
sah ich dem Grillenspiel der deinen zu, gegleicht!
Gewarnter nun durch dich, frühzeitig zu veralten,
sei immer dir mein Dank erhalten!
Auch dir sei Gottes Erde leicht!

Moritz August von Thümmel (1738-1817)

1 Kommentar:

  1. *lach* Trefflicher kann man es nicht sagen - der Mops hat schon Jahrhunderte hindurch seinen Mensch beschäftigt. Was für ein schönes Gedicht, Danke dafür

    Liebe Grüsse senden
    Marieluise und Carlos

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