Dienstag, 8. Februar 2011

An meinen Mops

In tiefen Nächten such ich dich, mein Schatz.
Denn alle Menschen, Tiere, die ich sah,
Sind Armut und armseliger Ersatz
Für diese Schönheit, die noch nie geschah.

Aber der Weg zu dir scheint endlos weit
Und, weil ihn lange keiner ging, verweht.
Oh, du bist einsam. Du bist Einsamkeit,
Mein Mops, der weich auf harten Felsen steht.

Und meine Hände, die voll Sehnsucht sind
Und Hoffnung, heb ich offen in den Wind,
So daß sie sich verzweigen wie ein Baum,
Ich hole dich mit ihnen aus dem Raum.

Mit einer ungeduldigen Gebärde.
Ich seh dich, Mops! Aus einer heil`gen Welt
Kommst du barmherzig auf die wüste Erde:
Sanft wie ein Frühlingsregen fällt.

Rainer Maria Rilke

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen